Fermentation & Reifung: Wie Zigarrentabak sein Aroma bekommt
Blatt & Glut Redaktion · aktualisiert am
Kein Tabakblatt kommt rauchfertig vom Feld. Zwischen Ernte und Zigarre liegen Monate bis Jahre, in denen der Tabak fermentiert und reift. Diese Phase macht aus einem scharfen, ammoniakhaltigen Blatt einen Tabak mit Noten von Holz, Kakao, Leder und Süße — und sie ist einer der Hauptgründe, warum gute Zigarren ihren Preis haben.
Was bei der Fermentation passiert

Nach der Trocknung werden die Blätter zu großen Stapeln geschichtet, den Pilones, die oft mehrere Tonnen wiegen. Durch Restfeuchte und Druck entsteht im Inneren Wärme — ein natürlicher Gärprozess. Dabei werden Ammoniak, Stärke und Eiweiß abgebaut, Bitterstoffe nehmen ab, und der Nikotingehalt sinkt etwas. Wer eine Fermentationshalle betritt, riecht das entweichende Ammoniak sofort.
Die Kunst liegt in der Temperaturkontrolle: Wird ein Stapel zu heiß, verbrennt der Tabak innerlich; bleibt er zu kühl, fermentiert er nicht durch. Deshalb werden die Pilones regelmäßig umgesetzt — die Blätter aus der Mitte kommen nach außen und umgekehrt. Zarte Deckblätter fermentieren kürzer und bei niedrigeren Temperaturen, dicke Ligero-Blätter länger und heißer.
Pilón oder Fass?
- Pilón-Fermentation — der klassische, offen geschichtete Stapel; ideal für große Mengen und gut steuerbar durch Umsetzen.
- Fass-Fermentation — die Blätter ruhen in Holzfässern; die Wärme entwickelt sich langsamer und gleichmäßiger. Einige Häuser setzen sie gezielt für besonders feine Aromen ein, etwa als zusätzlichen Schritt nach der ersten Fermentation.

Manche Premium-Linien durchlaufen mehrere Fermentationsstufen. Cohiba etwa ist bekannt dafür, für bestimmte Blätter eine zusätzliche dritte Fermentation einzusetzen.
Reifung: die stille Phase
Nach der Fermentation ruht der Tabak in Ballen — meist ein bis drei Jahre, für Premium-Linien oft länger. In dieser Zeit verbinden sich die Aromen, Schärfe und Grünnoten verschwinden, der Rauch wird runder. Besonders lange gereifte Tabake finden sich in Jubiläums- und Sondereditionen; viele Raritäten und Luxus-Zigarren verdanken ihren Charakter genau diesen Jahren im Lager.
Maduro: Fermentation, die man sieht
Das dunkle Maduro-Deckblatt entsteht durch besonders lange oder intensive Fermentation. Der Tabak wird dabei dunkel, fast schwarz, und entwickelt eine natürliche Süße mit Noten von Kakao und Kaffee (Deckblatt-Farben).

Reifung, die man schmecken kann
Einige Zigarren im Sortiment machen die Reifung zum Programm:
- Montecristo Churchill Añejados — kubanische Zigarren, die vor dem Verkauf zusätzlich gereift sind.
- Leonel White — mit einem zusätzlichen Fermentationsdurchgang.
- Leonel Rare d’Or — extra lange gereifter Ligero.
- Davidoff Winston Churchill Late Hour — Tabak, der in Scotch-Whisky-Fässern reift.
- Perdomo Bourbon Barrel-Aged — Reifung in Bourbonfässern.
Fermentation im Überblick
| Phase | Was passiert | Ergebnis |
|---|---|---|
| Trocknung | Blätter hängen in Scheunen, Chlorophyll baut sich ab | Farbe wird braun |
| Erste Fermentation | Stapel erwärmen sich | erste Aromen |
| Zweite Fermentation (Pilón) | kontrollierte Wärme, Umschichten | Ammoniak und Bitterstoffe bauen ab |
| Reifung | Lagerung in Ballen, oft Jahre | runder, harmonischer Tabak |
| Mariage | Ruhe nach dem Rollen | Tabake verbinden sich |
Wie aus gereiften Tabaken ein Blend entsteht, erklärt Master Blending; was Maduro-Deckblätter so dunkel macht, Maduro-Zigarren erklärt.
Und nach dem Rollen?
Auch die fertige Zigarre reift weiter — zunächst in der Manufaktur (der „Mariage“, siehe Master Blending), später in Ihrem Humidor. Viele Kenner lassen gerade kubanische Zigarren noch einige Monate liegen, bevor sie sie rauchen. Voraussetzung ist ein stabiles Klima: Wie Sie Zigarren dafür richtig aufbewahren, erklärt Zigarren lagern.
Zigarren zu Hause reifen lassen
Auch nach dem Kauf reifen Zigarren weiter — vorausgesetzt, sie lagern stabil bei 65–72 % Luftfeuchte und 18–21 °C. Viele Aficionados lassen Habanos ein bis zwei Jahre ruhen, bevor sie sie rauchen. Die Aromen werden runder, Schärfen verschwinden. Notieren Sie das Kaufdatum auf der Kiste und probieren Sie in Abständen — so erleben Sie die Entwicklung selbst.
Häufige Fragen
Warum wird Zigarrentabak fermentiert?
Frisch getrockneter Tabak enthält Ammoniak, Stärke und Bitterstoffe und schmeckt scharf und kratzig. Die Fermentation baut diese Stoffe ab, senkt den Nikotingehalt etwas und lässt die typischen Zigarrenaromen entstehen.
Wie lange reift Zigarrentabak?
Nach der Fermentation meist ein bis drei Jahre, für Premium-Linien oft länger. Einige Sondereditionen verwenden Tabake, die ein Jahrzehnt und mehr gereift sind.
Reifen Zigarren im eigenen Humidor weiter?
Ja, langsam. Bei stabilem Klima runden sich viele Zigarren über Monate und Jahre ab; kräftige Zigarren profitieren davon meist stärker als milde.
Was ist der Unterschied zwischen Fermentation und Reifung?
Fermentation ist ein aktiver Prozess mit Wärme, bei dem Inhaltsstoffe abgebaut werden; Reifung ist die anschließende ruhige Lagerung, in der der Tabak runder wird.
Was ist eine Pilón?
Ein großer Stapel aus Tabakblättern, in dem die Fermentation stattfindet. Er wird regelmäßig umgeschichtet, damit die Temperatur gleichmäßig bleibt.
Was bedeutet Fassreifung bei Zigarren?
Tabak reift eine Zeit lang in Fässern, in denen zuvor Spirituosen wie Whisky oder Bourbon lagerten. Das bringt Holz-, Vanille- und Karamellnoten.
Wie lange sollte man Zigarren reifen lassen?
Viele Zigarren schmecken sofort gut; Habanos und kräftige Blends gewinnen oft nach ein bis zwei Jahren im Humidor.
Riecht frischer Tabak nach Ammoniak?
Unvollständig fermentierter Tabak kann nach Ammoniak riechen. Die Fermentation baut diese Stoffe ab — ein Grund, warum sie so wichtig ist.
Werden Zigarren mit dem Alter besser?
Viele ja, bis zu einem Punkt: Die Aromen werden runder. Nach vielen Jahren können sie aber auch an Kraft verlieren.