Zigarre anschneiden: Guillotine, V-Cut oder Bohrer?
Blatt & Glut Redaktion · aktualisiert am

Handgerollte Zigarren sind am Kopf mit einer Kappe verschlossen — einem kleinen, aufgeklebten Stück Deckblatt, das die Zigarre zusammenhält. Bevor Sie sie anzünden, muss diese Kappe geöffnet werden. Der Anschnitt bestimmt, wie leicht die Zigarre zieht, wie warm der Rauch ist und ob das Deckblatt bis zum Schluss hält. Ziel ist eine Öffnung, die genug Zug erlaubt, ohne dass sich das Deckblatt löst oder Tabakkrümel in den Mund geraten.
Wo genau schneiden?
Sehen Sie sich den Kopf der Zigarre genau an: Die Kappe endet an einer feinen Linie, der sogenannten Schulter. Geschnitten wird oberhalb dieser Linie — bei den meisten Formaten sind das 2 bis 3 Millimeter. Wer tiefer schneidet, trennt die Kappe ganz ab, und das Deckblatt beginnt sich während des Rauchens spiralförmig aufzurollen.
Die Techniken im Vergleich
Gerader Schnitt (Guillotine)
Der Standard für fast alle Formate. Eine scharfe Guillotine — ein- oder zweiklingig — trennt die Kappe mit einem geraden Schnitt. Bei Ringmaßen ab 50 empfiehlt sich eine Doppelklinge, die von beiden Seiten gleichzeitig schneidet und das Blatt nicht quetscht. Auch die Zigarrenschere arbeitet nach diesem Prinzip; sie erlaubt einen besonders kontrollierten Schnitt und ist ein elegantes Stück für den Tisch.

V-Cut (Kerbschnitt)
Der V-Cutter kerbt einen Keil in die Kappe. So entsteht eine große Zugfläche bei kleiner Öffnung, das Deckblatt bleibt geschont, und der Rauch wird auf der Zunge gebündelt. Ideal für Robusto und Toro. Ausführlich erklären wir die Technik im Artikel V-Cut.
Bohrer (Punch)
Der Bohrer stanzt ein rundes Loch in die Kappe — schnell, unterwegs praktisch und ohne Risiko für das Deckblatt. Der Zug wird etwas fester, der Rauch konzentrierter. Für sehr schlanke Formate und spitze Torpedos und Figurados ist er ungeeignet.
Welcher Schnitt zu welchem Format?
| Format | Empfehlung |
|---|---|
| Corona, Lonsdale, Panetela | Guillotine oder Schere, flacher Schnitt |
| Robusto, Toro | Guillotine, V-Cut oder Bohrer |
| Churchill, Gordo (Ringmaß 54+) | Doppelklingen-Guillotine oder großer V-Cut |
| Torpedo, Belicoso | Guillotine, nur die Spitze kappen |
| Perfecto mit spitzem Fuß | Guillotine am Kopf; der Fuß bleibt geschlossen |
Cutter-Typen im Überblick
| Werkzeug | Schnitt | Vorteile | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Doppelklingen-Cutter | gerade | sauber, schnell, universell | fast alle Formate |
| Einfachklingen-Guillotine | gerade | günstig | Gelegenheitsraucher |
| Zigarrenschere | gerade | präzise, elegant | Kenner, große Ringmaße |
| V-Cutter | keilförmig | bündelt den Rauch | Robusto, Toro, Churchill |
| Zigarrenbohrer | rund | konzentrierter Zug, kaum Krümel | große Ringmaße |
Mehr zum Kerbschnitt erklärt der Ratgeber V-Cut; edle Cutter stellen Davidoff Accessoires und Luxus-Zigarrenzubehör vor.
Besondere Köpfe: Pigtail und Torpedo
- Pigtail (Curly Head): Den gezwirbelten Zopf abzupfen oder knapp darunter gerade schneiden — Beispiele sind die Leonel Signature und die Leonel White.
- Torpedo, Belicoso, Piramide: An der Spitze schneiden; je weiter oben, desto konzentrierter der Rauch.
- Geschlossener Fuß: Bei manchen Zigarren ist auch der Fuß verschlossen — er wird nicht geschnitten, sondern einfach angezündet.
Häufige Fehler
- Zu tief geschnitten: Das Deckblatt löst sich. Orientieren Sie sich an der Schulterlinie der Kappe.
- Stumpfe Klinge: Sie quetscht statt zu schneiden und reißt das Deckblatt ein. Ein guter Zigarrenschneider hält bei richtiger Pflege viele Jahre.
- Sägen statt schneiden: Ein entschlossener, schneller Schnitt reißt keine Fasern.
- Zu trockene Zigarre: Ausgetrocknete Deckblätter splittern beim Schneiden. Wie Sie das verhindern, lesen Sie unter Zigarren lagern.
Für Einsteiger: Beginnen Sie mit einer zweiklingigen Guillotine und einer Robusto — diese Kombination verzeiht kleine Ungenauigkeiten am ehesten. Passende Werkzeuge finden Sie bei unseren Cuttern und Zigarrenscheren und Zigarrenbohrern.
Welcher Cutter sich für Sie eignet, zeigt die Kaufberatung Zigarrenschneider kaufen.
Häufige Fragen
Wie viel schneidet man von einer Zigarre ab?
Nur die Kappe — etwa 2 bis 3 Millimeter, oberhalb der Linie, an der die Kappe auf das Deckblatt trifft. Schneiden Sie lieber zu wenig; nachschneiden geht immer.
Kann man eine Zigarre ohne Cutter anschneiden?
Im Notfall mit einem sehr scharfen Messer auf einer festen Unterlage. Abbeißen oder mit dem Fingernagel aufreißen beschädigt das Deckblatt und lässt Tabak in den Mund rieseln.
Welcher Zigarrenschneider ist für Anfänger am besten?
Ein Guillotine-Cutter mit zwei Klingen. Er schneidet sauber, passt zu fast allen Formaten und verzeiht kleine Ungenauigkeiten.
Muss man eine Zigarre vor dem Anzünden anschneiden?
Ja. Handgerollte Zigarren sind am Kopf mit einer Kappe verschlossen. Ohne Anschnitt lässt sich kein Rauch ziehen. Nur einige maschinell gefertigte Zigarren und Zigarillos sind am Kopf bereits offen.
Welcher Schnitt ist für Einsteiger am einfachsten?
Der gerade Schnitt mit einem Doppelklingen-Cutter — schnell, sauber und für fast alle Formate geeignet.
Wie schneidet man einen Torpedo an?
An der Spitze, etwa zwei bis drei Millimeter. Je weiter oben, desto konzentrierter der Zug; weiter unten öffnet sich der Rauch.
Was mache ich, wenn das Deckblatt beim Schneiden reißt?
Kleine Risse lassen sich oft mit etwas Speichel glätten. Vorbeugend helfen ein scharfer Cutter und gut befeuchtete Zigarren.
Kann man eine Zigarre mit einem Messer anschneiden?
Im Notfall mit einem sehr scharfen Messer, besser aber mit einem Cutter — stumpfe Klingen quetschen das Deckblatt.
Wie tief schneidet man mit dem Bohrer?
Etwa einen halben bis einen Zentimeter tief, mittig im Kopf.
Warum sollte man eine Zigarre nicht abbeißen?
Abbeißen hinterlässt einen unsauberen, feuchten Schnitt, das Deckblatt kann einreißen, und Tabakkrümel landen im Mund.
Wie schneidet man eine Zigarre mit Pigtail?
Den gezwirbelten Zopf abzupfen oder knapp darunter gerade schneiden — etwa bei der Leonel Signature oder Leonel White.