Zigarre rauchen: So genießen Sie richtig
Blatt & Glut Redaktion · aktualisiert am

Eine Zigarre raucht man nicht nebenbei. Sie verlangt eine halbe bis zwei Stunden Zeit, einen ruhigen Rhythmus und etwas Aufmerksamkeit — und belohnt das mit Aromen, die sich von Drittel zu Drittel verändern. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie eine Zigarre richtig rauchen: vom ersten Zug bis zum Ablegen.
Vorbereitung: Auswahl, Schnitt und Feuer
Die beste Technik nützt wenig, wenn die Zigarre nicht zu Ihnen passt. Für die ersten Male empfehlen sich milde Zigarren im Robusto- oder Corona-Format — sie sind zugänglich und in einer Stunde geraucht. Mehr dazu im Einsteiger-Guide.
Vor dem ersten Zug wird die Kappe geöffnet (Zigarre anschneiden) und der Fuß gleichmäßig angeröstet (Zigarre anzünden). Ein gleichmäßiger Glutkreis zu Beginn ist die halbe Miete für den ganzen Rauchverlauf.
Paffen statt inhalieren
Der wichtigste Unterschied zur Zigarette: Zigarrenrauch wird nicht inhaliert. Sie ziehen den Rauch sanft in den Mund, lassen ihn ein paar Sekunden über Zunge und Gaumen wandern und blasen ihn wieder aus. Die Geschmacksknospen und der Geruchssinn erledigen die eigentliche Arbeit — die Lunge hat damit nichts zu tun.
Fortgeschrittene nutzen den Retrohale: Ein kleiner Teil des Rauchs wird beim Ausatmen durch die Nase geleitet. Über die Nase nehmen Sie feine Noten wie Zedernholz, Gewürze oder Röstaromen deutlich intensiver wahr. Beginnen Sie vorsichtig und mit milden Zigarren — kräftiger Rauch brennt in der Nase.
Der richtige Rhythmus
Ein Zug alle 30 bis 60 Sekunden ist ein guter Richtwert. Wer häufiger zieht, überhitzt die Glut; der Rauch wird heiß, scharf und bitter. Wer zu selten zieht, lässt die Zigarre ausgehen. Mit der Zeit entwickeln Sie ein Gefühl dafür — die Zigarre sagt Ihnen über Temperatur und Geschmack, ob Sie zu schnell rauchen.
Rollen Sie die Zigarre zwischendurch leicht zwischen den Fingern, wenn eine Seite schneller brennt. Ein kurzes Nachzünden an der zurückliegenden Seite korrigiert einen schiefen Abbrand, bevor er sich verstärkt.
Was passiert mit der Asche?
Lassen Sie die Asche ruhig zwei bis drei Zentimeter lang werden. Sie schützt die Glut und hält sie kühl. Eine feste, helle Asche ist zudem ein Zeichen für gut gereiften Tabak und sorgfältige Rollarbeit. Abgestreift wird sie mit einer sanften Bewegung am Rand des Aschenbechers — nicht abklopfen wie bei einer Zigarette.
Der Rauchverlauf: drei Drittel
Eine gute Zigarre verändert sich beim Rauchen. Im ersten Drittel zeigt sie sich meist leichter und vom Deckblatt geprägt. Im zweiten Drittel entfaltet der Blend seinen eigentlichen Charakter. Das letzte Drittel ist oft am kräftigsten und würzigsten. Wie sich Aromen entwickeln und woran Sie sie erkennen, erklären die Artikel Rauchverlauf und Zigarren-Aromen.
Was passt dazu?
Ein Glas stilles Wasser neutralisiert den Gaumen zwischendurch. Klassische Begleiter sind Kaffee, Rum, Whisky, Cognac oder Portwein — milde Zigarren mögen leichtere Getränke, kräftige Zigarren vertragen süße und kräftige Spirituosen. Ideen finden Sie unter Zigarren und Getränke. Rauchen Sie eine kräftige Zigarre nicht auf nüchternen Magen.
Das Ende der Zigarre
Wenn der Rauch heiß und bitter wird — meist bei einem verbleibenden Drittel — ist es Zeit aufzuhören. Legen Sie die Zigarre im Aschenbecher ab; sie geht von selbst aus. Ausdrücken ist unnötig und riecht unangenehm. Die Banderole können Sie übrigens dranlassen oder nach den ersten Minuten vorsichtig lösen, wenn die Wärme den Kleber weicher gemacht hat.
Wie lange raucht man welches Format?
| Format | Rauchdauer | Ideal für |
|---|---|---|
| Zigarillo, Short | 10–20 Min. | Kaffeepause |
| Petit Corona | 25–35 Min. | Mittagspause |
| Robusto | 45–60 Min. | Feierabend |
| Toro | 60–80 Min. | Abend |
| Churchill | 70–90 Min. | langer Abend |
Kurze Formate für den Alltag stellt Cigar to go vor, lange Formate Churchill-Zigarren.
Häufige Fehler beim Rauchen
- Zu schnell ziehen — die Zigarre wird heiß und bitter.
- Ständig abaschen — eine feste Asche kühlt die Glut.
- Inhalieren — Zigarrenrauch wird gepafft, nicht inhaliert.
- Zu weit rauchen — das letzte Stück wird oft scharf; dann ablegen.
- Unpassendes Getränk — sehr kräftige Spirituosen überdecken milde Zigarren (Zigarren und Getränke).
Etikette
Wer in Gesellschaft raucht, fragt vorher, ob es alle Anwesenden stört, und achtet auf ausreichende Belüftung. Mehr dazu im Zigarrenknigge.
Häufige Fragen
Inhaliert man Zigarrenrauch?
Nein. Zigarrenrauch wird nur in den Mund gezogen, dort einige Sekunden geschmeckt und wieder ausgeblasen. Das nennt man paffen. Zigarrenrauch ist für die Lunge viel zu kräftig.
Wie oft zieht man an einer Zigarre?
Etwa einmal alle 30 bis 60 Sekunden. Häufiger überhitzt die Glut und der Rauch wird scharf, seltener geht die Zigarre aus.
Wie lange raucht man eine Zigarre?
Je nach Format 20 Minuten (Short Smokes) bis über 90 Minuten (Churchill, Double Corona). Eine Robusto braucht rund 45 bis 60 Minuten.
Muss man eine Zigarre zu Ende rauchen?
Nein. Viele Genießer legen die Zigarre ab, wenn noch ein gutes Drittel oder etwa die Breite von zwei Fingern übrig ist — danach wird der Rauch oft heiß und bitter.
Wie macht man eine Zigarre aus?
Gar nicht: Legen Sie sie im Aschenbecher ab, sie erlischt nach wenigen Minuten von selbst. Ausdrücken zerdrückt die Glut und erzeugt unangenehmen Geruch.
Wie hält man eine Zigarre richtig?
Locker zwischen Daumen und Zeige- oder Mittelfinger, ohne sie zu quetschen. Zwischen den Zügen ruht sie im Aschenbecher.
Was ist Retrohale?
Ein kleiner Teil des Rauchs wird durch die Nase ausgeatmet, um mehr Aromen wahrzunehmen — bei kräftigen Zigarren vorsichtig dosieren.