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Zigarrenknigge: Die Etikette für Zigarrenraucher

Blatt & Glut Redaktion · aktualisiert am

Zigarren in geselliger Runde

Eine Zigarre raucht man selten allein in Eile — meist in Ruhe, oft in Gesellschaft. Daraus sind über die Jahrzehnte ein paar ungeschriebene Regeln entstanden. Sie sind kein steifes Protokoll, sondern Ausdruck von Respekt: vor den Menschen, die die Zigarre gemacht haben, und vor denen, die neben Ihnen sitzen.

Vorbereitung

  • Sauber anschneiden. Mit einem scharfen Cutter, nicht mit den Zähnen (Zigarren anschneiden).
  • Nicht ablecken. Die Zigarre vor dem Anschneiden mit dem Mund zu befeuchten, ist unhygienisch und unnötig.
  • Kein „Whisky-Bad“. Den Kopf in ein Getränk zu tauchen, verfälscht das Aroma. Getränke gehören ins Glas (Zigarren und Getränke).
  • Ruhig anzünden. Erst rösten, dann anziehen — mit geruchsneutralem Feuer (Zigarre anzünden).

Während des Rauchens

  • Asche stehen lassen. Eine lange, feste Asche ist ein Kompliment an den Roller. Abgestreift wird sie sanft am Rand des Aschenbechers, nicht abgeklopft wie bei der Zigarette.
  • Langsam rauchen. Ein Zug pro Minute genügt. Hektisches Paffen stört den Genuss — den eigenen und den der anderen.
  • Auf den Rauch achten. Niemandem Rauch ins Gesicht blasen; in geschlossenen Räumen für Belüftung sorgen und vorher fragen, ob das Rauchen in Ordnung ist.
  • Nicht inhalieren. Zigarrenrauch wird geschmeckt, nicht eingeatmet (Zigarre rauchen).

Die Banderole

Ob Sie die Bauchbinde abnehmen, ist Geschmackssache. In Europa galt es lange als vornehm, sie zu entfernen, um nicht mit Marke oder Preis zu prahlen; in den USA bleibt sie meist dran. Der Legende nach wurden Banderolen einst eingeführt, damit Handschuhe nicht vom Tabak verfärbt wurden. Wer sie abnehmen möchte, wartet einige Minuten: Die Wärme löst den Kleber, und das Deckblatt reißt nicht.

Das Ende

  • Nie ausdrücken. Legen Sie die Zigarre in den Aschenbecher; sie geht von selbst aus.
  • Nicht wiederverwerten. Eine erloschene Zigarre am nächsten Tag anzuzünden, schmeckt meist bitter — und ist in Gesellschaft unschön.

Knigge in der Lounge und im Restaurant

  • Fragen Sie nach. Nicht überall ist Rauchen erlaubt; in Lounges gelten eigene Regeln.
  • Eigene Zigarren? In manchen Lounges ist das Mitbringen eigener Zigarren gegen eine Gebühr erlaubt, in anderen nicht — vorher klären.
  • Ruhe bewahren. Laute Gespräche und hektisches Paffen passen nicht zur Atmosphäre.
  • Asche in den Aschenbecher. Nie auf den Boden oder in Pflanzen.

Knigge draußen und zu Hause

  • Rücksicht auf Nachbarn. Auf dem Balkon den Wind beachten und Abstand zu offenen Fenstern halten.
  • Kinder und Nichtraucher. In ihrer Gegenwart verzichtet man auf die Zigarre.
  • Am Grill: nicht im Grillrauch rauchen, Zigarre sicher ablegen — mehr in Zigarren zum Grillen.

Die Zigarre verschenken und anbieten

Eine Zigarre anzubieten ist eine Geste der Gastfreundschaft. Bieten Sie mehrere Stärken an, damit jeder Gast etwas Passendes findet, und stellen Sie Cutter, Feuerzeug und Aschenbecher bereit. Wie Sie Zigarren stilvoll verschenken, erklärt Zigarren verschenken.

Knigge auf einen Blick

SituationDoDon’t
Anschneidensauberer, gerader Schnittabbeißen
AnzündenButan, Streichholz, ZedernspanBenzinfeuerzeug, Kerze
Rauchenpaffen, langsaminhalieren, hektisch ziehen
Aschestehen lassen, sanft abstreifenständig abklopfen
Endeablegen und ausgehen lassenausdrücken

Als Gast und als Gastgeber

  • Angebotene Zigarren nimmt man dankend an — oder lehnt freundlich ab. Nach dem Preis fragt man nicht.
  • Als Gastgeber bieten Sie Zigarren unterschiedlicher Stärke an, damit auch Einsteiger etwas Passendes finden; ein kleiner Vorrat aus dem Humidor und ein guter Cutter gehören dazu.
  • In der Lounge grüßt man mit einem Nicken; Gespräche ergeben sich, man drängt sie niemandem auf.

Wer Zigarren verschenken möchte, findet Anregungen unter Geschenke und im Artikel Zigarren verschenken.

Häufige Fragen

Nimmt man die Banderole einer Zigarre ab?

Beides ist erlaubt. Traditionell galt es in Europa als stilvoll, die Banderole abzunehmen, um nicht mit der Marke zu prahlen. Wer sie abnehmen will, wartet einige Minuten, bis die Wärme den Kleber gelöst hat.

Darf man eine Zigarre ausdrücken?

Nein. Man legt sie im Aschenbecher ab, wo sie von selbst erlischt. Ausdrücken erzeugt beißenden Geruch.

Darf man eine Zigarre ablehnen, die man angeboten bekommt?

Ja, mit einem freundlichen Dank. Wer annimmt, fragt nicht nach dem Preis und revanchiert sich bei Gelegenheit.

Darf man eigene Zigarren in eine Lounge mitbringen?

Das ist unterschiedlich geregelt. Manche Lounges erlauben es gegen eine Gebühr, andere nicht — fragen Sie vorher nach.

Darf man Zigarrenrauch inhalieren?

Nein. Zigarren werden gepafft; der Rauch wird im Mund gekostet und wieder ausgeblasen.

Wie zündet man eine Zigarre stilvoll an?

Mit Butanfeuerzeug, langem Streichholz oder Zedernspan — den Fuß rundum anrösten, ohne die Flamme direkt aufzusetzen.

Wie oft sollte man die Asche abstreifen?

Selten. Eine feste Asche kühlt die Glut; abstreifen, wenn sie etwa zwei bis drei Zentimeter lang ist.

Darf man die Bauchbinde während des Rauchens abnehmen?

Ja, sobald die Zigarre warm geworden ist und sich der Leim gelöst hat — sonst kann das Deckblatt reißen. Viele lassen sie einfach dran.

Wie bietet man Gästen Zigarren an?

Mit einer Auswahl in verschiedenen Stärken, dazu Cutter, Feuerzeug, Aschenbecher und passende Getränke.

Darf man eine Zigarre teilen?

Eine angerauchte Zigarre teilt man nicht. Eine Culebra besteht dagegen aus drei Zigarren, die traditionell unter Freunden geteilt werden.

Wie verhalte ich mich in einer Zigarrenlounge?

Ruhig, rücksichtsvoll, mit eigener Asche im Aschenbecher — und vorher fragen, ob eigene Zigarren erlaubt sind.

Was tun, wenn die Zigarre im Gespräch ausgeht?

Kein Problem — Asche abstreifen, kurz durchpusten und neu anzünden. Ein Wiederanzünden innerhalb weniger Minuten ist völlig üblich.