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Zigarrenherstellung: Wie wird eine Zigarre gemacht?

Blatt & Glut Redaktion · aktualisiert am

Eine handgerollte Premium-Zigarre ist das Ergebnis von Jahren Arbeit und Dutzenden Händen. Zwischen dem Samenkorn im Saatbeet und der fertigen Zigarre mit Bauchbinde liegen Anbau, Ernte, Trocknung, Fermentation, Sortierung, Blending, Rollen und Reifung — jeder Schritt mit eigenen Spezialisten. Dieser Artikel folgt dem Weg des Tabakblatts.

1. Anbau und Ernte

Tabak für Zigarren wächst vor allem in Kuba, der Dominikanischen Republik, Nicaragua, Honduras, Ecuador, Brasilien und Kamerun (mehr dazu unter Woher kommt der Tabak?). Die Samen keimen zunächst in Saatbeeten, nach einigen Wochen werden die Setzlinge aufs Feld verpflanzt.

Geerntet wird von Hand und in mehreren Durchgängen, denn die Blätter reifen von unten nach oben. Die unteren Blätter (Volado) sind mild und brennen gut, die mittleren (Seco) bringen Aroma, die obersten, sonnenreichsten (Ligero) sind dick, ölig und kräftig. Für Deckblätter wird Tabak oft unter Schattentüchern angebaut („Shade Grown“) — so werden die Blätter dünner, elastischer und gleichmäßiger in der Farbe. Sonnengewachsener Tabak („Sun Grown“) ergibt dunklere, würzigere Blätter.

2. Trocknung

Trocknung von Tabakblättern in der Scheune

Die frischen Blätter werden auf Stangen gefädelt und in luftigen Trockenscheunen (Casas de Tabaco) aufgehängt. Über rund 30 bis 60 Tage verlieren sie den Großteil ihres Wassers und färben sich von Grün über Gelb zu Braun. Die Scheunen sind meist nach der Sonne ausgerichtet; über Türen und Luken steuern die Bauern Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

3. Fermentation und Reifung

Getrockneter Tabak schmeckt noch roh und scharf. Erst die Fermentation macht ihn rauchbar: Die Blätter werden zu großen Stapeln (Pilones) geschichtet, in deren Innerem Wärme entsteht. Dabei bauen sich Ammoniak, Bitterstoffe und ein Teil des Nikotins ab, die Aromen werden runder. Die Stapel werden regelmäßig umgeschichtet, damit sie nicht überhitzen. Kräftige Blätter wie Ligero brauchen längere Fermentationen als zarte Deckblätter.

Danach reift der Tabak in Ballen, oft über Jahre. Ausführlich beschreibt das der Artikel Fermentation und Alterung.

4. Sortieren und Entrippen

Sortierer (Escogedores) prüfen jedes Blatt nach Farbe, Größe, Textur und Unversehrtheit. Die makellosesten Blätter werden Deckblätter, robuste Blätter Umblätter, die übrigen kommen in die Einlage. Anschließend wird meist die dicke Mittelrippe entfernt (Despalillado), damit sich das Blatt rollen lässt.

5. Das Blending

Der Master Blender komponiert aus Blättern verschiedener Herkünfte, Pflanzenetagen und Jahrgänge die Mischung — die „Ligada“. Sie bestimmt Stärke, Aroma und Rauchverlauf und muss über Jahre gleich schmecken, obwohl jede Ernte anders ausfällt. Wie das gelingt, erklärt Master Blending. Der Aufbau aus Einlage, Umblatt und Deckblatt ist dabei das Grundgerüst jeder Zigarre.

6. Rollen von Hand

Ein Zigarrenroller bei der Arbeit

Der Torcedor bündelt die Einlageblätter, hüllt sie ins Umblatt und presst den „Wickel“ (Bunch) in einer Holzform, damit er seine Form behält. Danach schneidet er das Deckblatt mit einem halbmondförmigen Messer (Chaveta) zu, rollt es in einer Spirale um den Wickel und setzt am Kopf eine Kappe auf, die mit pflanzlichem Kleber fixiert wird. Gleichmäßige Spannung entscheidet über den späteren Zug: zu fest, und die Zigarre zieht schwer; zu locker, und sie brennt heiß und ungleichmäßig.

In vielen Manufakturen gibt es bis heute die Tradition des Lector, der den Rollern während der Arbeit aus Zeitungen und Romanen vorliest — so kamen der Legende nach Marken wie Montecristo und Romeo y Julieta zu ihrem Namen.

Neben handgerollten Longfillern gibt es Zigarren mit gehäckselter Einlage, die maschinell gefertigt werden. Die Unterschiede erklärt Longfiller, Mediumfiller und Shortfiller.

7. Qualitätskontrolle, Reifung und Banderole

Fertige Zigarren nach der Qualitätskontrolle

Fertige Zigarren werden gemessen, gewogen und auf ihren Zug geprüft — oft mit einem Zugmessgerät. Danach ruhen sie wochen- bis monatelang im Reiferaum (Escaparate), damit sich Feuchtigkeit und Aromen nach dem Rollen ausgleichen. Zum Schluss werden sie nach Farbe sortiert, damit eine Kiste einheitlich aussieht, mit der Bauchbinde (Anilla) versehen und verpackt.

Rolltechniken im Überblick

TechnikBeschreibungWirkung
Entubadojedes Einlageblatt wird zur kleinen Röhre gerolltgleichmäßige Luftkanäle, guter Zug
Booking (Buchfaltung)Blätter werden wie Buchseiten gefaltetverbreitet, schnell
AccordionBlätter werden ziehharmonikaartig gefaltetgleichmäßiger Brand
Barber Polezwei Deckblätter spiralförmigoptisch und geschmacklich besonders

Beispiele aus dem Sortiment: Entubado bei CigarKings, Barber Pole bei der Leonel Barber Pole.

Besondere Kopf- und Fußformen

  • Dreifachkappe — klassisch kubanisch, drei Lagen am Kopf.
  • Pigtail — gezwirbelter Kopf, etwa bei der Leonel Signature.
  • Fan Tail — fächerförmig gedrehter Kopf, typisch für Trinidad.
  • Geschlossener Fuß — das Deckblatt ist über den Fuß gezogen, etwa bei der Leonel White.

Wie Sie Handarbeit erkennen

Achten Sie auf die Kennzeichnung „Hecho a Mano“ oder „Totalmente a Mano“, eine sauber aufgesetzte Kappe und eine Einlage aus ganzen Blättern, die am Fuß sichtbar ist. Im Shop finden Sie alle handgemachten Zigarren auf einen Blick, sortiert nach Herkunft — etwa dominikanische, kubanische oder nicaraguanische Zigarren.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Herstellung einer Zigarre?

Vom Aussäen bis zur fertigen Zigarre vergehen meist mehrere Jahre. Allein Trocknung, Fermentation und Reifung des Tabaks dauern oft zwei Jahre und länger; das Rollen selbst nur wenige Minuten.

Was bedeutet „Hecho a Mano“?

„Von Hand gemacht“. Die Zigarre wurde von einem Torcedor gerollt; bei „Totalmente a Mano“ ist auch die Einlage von Hand gebündelt. Die Einlage besteht dann aus ganzen Blättern (Longfiller).

Wie viele Zigarren rollt ein Torcedor am Tag?

Das hängt stark vom Format ab — einfache Formate gehen schneller, Figurados und große Formate langsamer. Erfahrene Roller schaffen je nach Format grob 100 bis 150 Zigarren am Tag.

Was ist Entubado?

Eine Rolltechnik, bei der jedes Einlageblatt einzeln zu einer kleinen Röhre gerollt wird — für gleichmäßigen Zug und langsamen Abbrand.

Was ist eine Dreifachkappe?

Ein Kopfabschluss aus drei Lagen Deckblatt, typisch für kubanische Zigarren. Er sorgt für einen sauberen Schnitt.